Leinen los 2026
Literaturfest auf dem Neusiedler See
Die Weite des Neusiedler Sees, der nahtlos in die Ebene übergeht und die Unmöglichkeit, im Wasser Grenzen zu ziehen, stehen in dieser ganz speziellen europäischen Grenzregion symbolisch für die Verbindung zwischen Osten und Westen. Sprachräume fließen hier, wie die Grenzen, ineinander. Diese Perspektive ist auch heuer wieder unser gedanklicher Ausgangspunkt für Leinen los und der Start in die Herbstsaison für das Literaturhaus Mattersburg.
In diesem Jahr halten wir den Atem an und tauchen ab: vom flachen Wasser des Neusiedler Sees über die Tiefe des Ohridsees zwischen Nordmazedonien und Albanien bis zum Schiffbruch am offenen Atlantik. Die Texte dieses Jahres zeigen, wie aus Lust und Notwendigkeit Geschriebenes und Geschichten entstehen, die Orientierung und Trost bieten, wenn feste Uferlinien verschwinden. Manche davon bleiben leise unter der Oberfläche, andere schlagen deutliche Wellen.
Gemeinsam mit den Autor:innen Sanja Abramović, Stefan Kutzenberger, Tamara Štajner und dem jungen Wiener Pop-Duo tauchen laden wir zu einer Schifffahrt in die Dämmerung ein – zur Begegnung mit Texten, Klängen, Wind, Wetter und dem Horizont.
Zum Programm
„An der Oberfläche verschwimmt die Landschaft, verschwimmt das Land.“
Den Texten von Sanja Abramović Erzählband „Heimsuchung“ liegt die Suche zugrunde – nach etwas, was vermutlich unwiederbringlich ist, oder nach einer Lösung, die es nicht wirklich gibt. Sie erzählen von Dingen, Menschen und Ereignissen, die uns nicht mehr loslassen, von Gedanken und Ängsten, die uns immer wieder aufspüren und dabei ein Eigenleben entwickeln. Gleichzeitig verweist der Titel „Heimsuchung“ auch darauf, dass es in den Texten um die Suche nach einem Heim geht; einem inneren Ort, an dem man sich angekommen fühlt. Es geht darin auch um die ständige Erwartung, etwas zu verlieren, um das Leben als Warteraum für die große Katastrophe, die nah ist, aber auf die man sich nicht vorbereiten kann.
Sanja Abramović
wurde in Karlovac/Kroatien geboren und wuchs im Kurort Topusko nahe der bosnischen Grenze auf. Seit 1991 lebt sie in Österreich. Sie studierte Germanistik und Slawistik an der Universität Wien. Seit 2007 lebt sie im Burgenland und unterrichtet die Fächer Deutsch und Kroatisch. Seither veröffentlich sie in Anthologien und Literaturzeitschriften. 2024 erschien ihr Buchdebüt Heimsuchung bei edition lex liszt 12. Sie erhielt u.a. den Burgenländischen Literaturpreis und wurde im Rahmen der Initiative „ Schreiben zwischen den Kulturen“ der Edition Exil gewürdigt.
„Der Ozean und der Himmel um mich sind so gewaltig, dass ich kaum an Gott denke.“
September 1858, mitten auf dem Atlantik. Eine Frau treibt nackt auf einer Tür liegend in den sachten Wellen. Die Sonne scheint und in Gedanken ist sie in Dänemark. Henriette Wulff, aus bester dänischer Familie, ist dreiundfünfzig, als sie sich entschließt, ihre Heimat hinter sich zu lassen und nach Amerika auszuwandern. Trotz ihres umtriebigen Soziallebens in den Salons Kopenhagens, trotz ihrer zahlreichen Bekanntschaften in Europa. Und trotz ihrer intensiven Freundschaft mit dem Dichter Hans Christian Andersen, mit dem sie über Jahrzehnte hinweg Hunderte Briefe wechselte. Doch die Überfahrt endet in einer Katastrophe, der größten Schifffahrtskatastrophe des 19. Jahrhunderts. Inmitten der Trümmer des Dampfers „Austria“ wartet Henriette auf Rettung oder Untergang und verfasst in Gedanken weiter Briefe an ihren Lebensmenschen Andersen, ahnend, dass dieser zu Hause in seiner Schreibstube auch nicht anders kann, als ihr zu schreiben.
Stefan Kutzenberger
geboren in Linz, ist Autor, Lehrbeauftragter an der Fakultät für Europäische und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Wien, Kurator und Kulturvermittler. Er publizierte u.a. zu den literarischen Wechselbeziehungen zwischen der europäischen und der lateinamerikanischen Literatur, für sein literarisches Werk wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. vom Literarischen Colloquium Berlin, oder mit dem Preis der Internationalen Literaturdialoge (Wien – San Francisco). 2020 erschien sein Roman „Jokerman“, 2024 feierte sein Theaterstück „Divas im Dilemma“ Premiere. „Die Liste der Lebenden“ ist sein vierter Roman, erschienen bei Picus 2026.
Beim Schreiben versuche ich eine Erzählwelt zu erschaffen, die berührt, entsetzt, zum Lachen bringt, zum Weinen. Alle Emotionen, die uns zum Menschen machen
Nach vielen Jahren kommt Iva zurück an den Ort ihrer Kindheit, um ihr geliebtes Kindermädchen zu beerdigen. Im Hotel am Ohridsee, das Ivas Familie gehörte, hat sie wesentlich mehr Zeit mit Marija verbracht als mit ihrer eigenen Mutter. Als Iva auf Marijas Grabstein einen zweiten Namen entdeckt, kommt sie einem Familiengeheimnis auf die Spur … Tamara Štajners Protagonistin unternimmt eine intensive, berührende, aber auch herrlich komische Tour in die Vergangenheit. Und in die Zukunft, denn Iva versucht gerade auf komplizierten Wegen, mit ihrem Freund ein Kind zu bekommen.
Tamara Štajner
in Novo Mesto Slowenien geboren, lebt und arbeitet in Wien als Musikerin, Autorin und Performerin. Ihr Master-Studium im Konzertfach Viola schloss sie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien ab. Seitdem wirkt sie in kammermusikalischen Besetzungen in Uraufführungen der Neuen Musik mit und entwickelt Performance-Programme, die Lyrik und Musik kombinieren. 2023 erschien ihr Debütroman „Raupenfell“. 2024 gewann sie den Lyrikpreis Meran, beim Ingeborg-Bachmann-Preis wurde ein Auszug aus „Luft nach unten“ mit dem Kelag-Preis ausgezeichnet. Sie schreibt auf Slowenisch und Deutsch.
tauchen
Die jungen Wiener:innen Eva-Maria Kehrer und Marten Kaffke spielen als musikalisches Pop-Duo mit den Klischees der deutschen Pop-Romantik und schaffen dabei ein Spannungsfeld zwischen Banalität und Tiefgang. Mit einer klaren musikalischen Handschrift greifen sie aktuelle gesellschaftliche Themen auf und übersetzen sie in persönliche Erfahrungsräume.
Das Literaturfest findet am Freitag, den 04. September 2026
ab 17:00 Uhr statt.
Ticket: 20 Euro
Das Ticket umfasst Schifffahrt, Lesungen und Musik.
Buchen können Sie ausschließlich im Vorverkauf unter lisa.schwarz_at_literaturhausmattersburg.at
Treffpunkt ist im Seebad Mörbisch, im Hafen der Schifffahrtslinie Drescher (Drescher Touristik, Badeanlage 1, 7072 Mörbisch am See).
Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt.
Wir freuen uns, Sie bei Leinen los 2026 an Bord zu begrüßen!