Nachtgäste

Lesung und Gespräch mit Nenad Veličković und Mascha Dabić

Die Lesung und das Gespräch werden von Mascha Dabić ins Deutsche übersetzt.

19:00 Uhr

Literaturhaus Mattersburg

Maja ist achtzehn Jahre alt, sie sollte Besseres zu tun haben, als in einem Keller zu sitzen und zu schreiben. Aber draußen ist Krieg, ständig kracht es irgendwo, Granaten regnen auf Sarajevo. Und drinnen, im Untergeschoß eines Museums, hat sich eine Notgemeinschaft zusammengefunden, die dem Schrecken trotzt: die vegetarische Mutter mit einem Hang zur Esoterik, die Großmutter und ihr eifersüchtig gehüteter Koffer, der Halbbruder und seine schwangere Frau, die ihre Hypochondrie pflegt, der Vater als Direktor des Museums, zwei Partisanen und der Hund Sniffy. Den Zumutungen ihrer Lage begegnet Maja mit entwaffnendem Humor und Scharfsinn. Und sie nimmt sich auch kein Blatt vor den Mund, wann immer ihr die Erwachsenen mit Worthülsen, Phrasen und Vorurteilen die Welt erklären wollen.

Nenad Veličkovićs gefeierter Roman, vor dreißig Jahren erstmals erschienen, nimmt dem Krieg jede Heroik und setzt seiner Heimatstadt Sarajevo zugleich ein Denkmal. Es ist ansteckend komisch und tief berührend zu sehen, wie sich aus der vermeintlich naiven, offenherzigen Perspektive seiner Hauptfigur der Horror des Krieges in etwas verwandelt, das uns Mut machen kann.

»Das ist das beste Buch über Krieg, das ich gelesen habe.« Saša Stanišić

»Nachts im Museum, aber in Sarajevo während der Belagerung. Menschen zeigen sich im Krieg als besonders zerbrechlich, wahnsinnig, resigniert, lustig und erfinderisch. Die wahren Held:innen sind diejenigen, die sich ums Leben bemühen.« Barbi Marković

Nenad Veličković

geboren 1962 in Sarajevo, ist ein bosnischer Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Kolumnist. Er studierte jugoslawische Literatur und serbokroatische Sprache und promovierte an der Universität Sarajevo über die ideologische Instrumentalisierung in Schulbüchern. Dort lehrt er heute als Dozent für serbische Literatur. Veličković gehört zu den wichtigsten kritischen Stimmen der bosnischen Gegenwartsliteratur. In seinen Romanen und Essays setzt er sich oft sarkastisch mit Krieg, Nationalismus und der politischen Lage im ehemaligen Jugoslawien auseinander. Zu seinen Veröffentlichungen zählen mehrere Romane und Erzählbände, einige sind in deutscher, italienischer, ungarischer, mazedonischer, bulgarischer, englischer, polnischer, slowakischer und slowenischer Übersetzung erschienen. Sein literarisches Debüt Konačari erschien 1995 und wurde unter dem Titel Logiergäste (dt. 1997, Neuauflage 2025 als Nachtgäste) auch international bekannt. Zuletzt erschien auf Deutsch: »Der Vater meiner Tochter« (2016). Neben seiner literarischen Arbeit schreibt Veličković seit 2009 die satirische Kolumne Škljocam i zvocam für die Deutsche Welle. Als Initiator, Redakteur und Beiträger hat er an zahlreichen Zeitschriften mitgewirkt, außerdem war er Mitinhaber der Literaturwerkstatt Omnibus. 2017 unterzeichnete er die Deklaration zur gemeinsamen Sprache der Kroaten, Serben, Bosniaken und Montenegriner. Für sein Werk wurde er u. a. mit dem bulgarischen Aleko-Preis ausgezeichnet.

Mascha Dabić

geboren 1981 in Sarajevo (ehem. Jugoslawien), lebt seit 1992 in Österreich. Sie studierte Translationswissenschaft mit den Sprachen Englisch und Russisch in Innsbruck, Wien, Edinburgh und St. Petersburg sowie Politikwissenschaft. Ihre Dissertation zum Thema „Dolmetschen in der Psychotherapie“ erschien 2021 im Narr Verlag. Dabić arbeitet als literarische Übersetzerin, Dolmetscherin im Asyl- und Konferenzbereich und lehrt an den Universitäten Wien, Innsbruck und Graz. Sie übersetzt Literatur, Theater und Lyrik aus dem Bosnischen, Kroatischen, Serbischen, Russischen und Englischen ins Deutsche, u. a. Werke von Barbi Marković, Svetislav Basara, Dragan Velikić, Damir Ovčina und Goran Ferčec. Ihr literarisches Debüt Reibungsverluste erschien 2017 bei Edition Atelier, wurde für den Franz-Tumler-Literaturpreis nominiert und stand auf der Shortlist Debüt des Österreichischen Buchpreises. 2018 erhielt sie den Literatur-Förderungspreis der Stadt Wien. Als Übersetzerin wurde sie mehrfach mit der Übersetzungsprämie des Bundeskanzleramts ausgezeichnet.

Der Roman "Nachtgäste" erscheint im Jung und Jung Verlag. Vor Ort wird es einen Büchertisch von buchwelten Emmer geben.

Eintritt: Freie Spende
Aus organisatorischen Gründen bitten wir um Anmeldung unter lisa.schwarz_at_literaturhausmattersburg.at.

Im Rahmen dieser Veranstaltung werden Fotografien und/oder Filme erstellt, die für Pressearbeit und Berichterstattung sowie in verschiedenen Sozialen Medien, Publikationen und auf unserer Website verwendet werden. Sollten Sie nicht damit einverstanden sein, wenden Sie sich bitte an das Team des Literaturhaus Mattersburg.

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