Anni Pirch

Foto: Hans Wetzelsdorfer

Grenzlandkind

 

Grenzlandkind, dein Wiegenlied,
das sangen die Gewehre,
die Alten flehten: Bandenkrieg
uns jetzt nicht ganz verzehre!

Grenzlandkind, dein Jugendlied
war voll von heitern Tönen.
Der Fluß war Grenze, Trennung nicht
des Landes gleichen Söhnen.

Grenzlandkind, dein Hochzeitslied
klang nicht in hellen Terzen,
denn fern begann der schwerste Krieg
und trennte Herz von Herzen.

Grenzlandkind, ein Wiegenlied
sangst du nicht deinem Kinde!
Das sang vor deinem Haus der Krieg
als rauhes Angebinde.

Grenzlandkind, dein Sterbelied
verklang mit den Kanonen.
Und zwischen Grab und Leben zieht
der Fluß. Er trennt zwei Zonen.

Friede,
unter dem Steinwurf der Zeit
war jeder Atemzug
der Wellenschrei eines Meeres
nach dir--

Der Abend weinte
in die unerlösten Gärten
blaue Perlen
wie ein Signum
für sein letztes Wort--

Zum/r Autor/in

Textprobe

Geb. 1921 in Ollersdorf, Kinder- und Jugendjahre in Neudauberg, wo sie heute wieder lebt. Sie ist Mitglied des P.E.N.-Clubs.

Veröffentlichungen:

"Das Nest", Erzählungen, Gedichte, Märchen, Oberwart 2011; "Schachfiguren und Glücksbringer", Erzählungen, Hörspiele, Lyrik, Oberwart 2008, "Die rauchlose Fackel", Erzählungen, Oberwart 2004; „Der Echobaum", Erzählungen, Oberwart 2003; „Behüte das Licht", Adventgedichte, Oberwart 2000; „Das Wiesenfest", lyrisches Bilderbuch mit Bildern von Erwin Moravitz Oberwart 2000; "Die Reise nach Lerra", Roman, Oberwart 1996; Lyrikbände: „Der verschlüsselte Garten", Eisenstadt 1991; „Blumen unter dem Schnee", Eisenstadt 1981; „Der Sommer zerfiel", Eisenstadt 1975; 

Autoren A - Z

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