Wolfgang Millendorfer

Foto: Hans Wetzelsdorfer

STADTAUFSTREICHER GEGEN LANDESSER

Schon einmal einer Schnecke beim Schwimmen zugesehen? Ich auch nicht. Aber ich bin in einem gestohlenen Schneckenhaus einen Fluss hinuntergefahren. Das war in Wien, einer Stadt, die es heute nicht mehr gibt. Zauberer standen dort an jeder Straßenecke, und in verwunschenen Häusern gab es Prinzessinnen. Die winkten aus den Fenstern nicht allen zu, die unten vorübergingen.

Alles war wunderbar in dieser Stadt Wien, alles wurde aber anders, nachdem mich der Landesser in unseren ersten Schwertkampf verwickelt hatte – auf einer Donaubrücke trafen wir das erste Mal aufeinander.

Niemand siegte, keiner wurde verletzt. Aber fortan verfolgte mich dieser Lumpenhund überall hin.

Sprang hinter den Hausecken hervor, hielt mir das Schwert hin; verdarb mir die Wurst, die ich beim Häuschen des Wurstbraters mir schmecken ließ; holte mich in den Waggons der Stadt-Züge ein und störte mit mir gemeinsam im Schwertkampf Fahrgäste und Betrieb.

„Stadt-Zug 6 wegen eines Schwertkampfes ab sofort gesperrt“, hieß es dann, und das war mir unangenehm.

Zum/r Autor/in

Textprobe

Geb. 1977 in Eisenstadt, aufgewachsen in Sigleß. Studium in Wien, lebt und arbeitet als Journalist im Burgenland. Ist Mitglied einer Rockband und Schlagersänger. Mit der "Millendorfer Zirkus Show" unterwegs im Burgenland.2008 Erster Preis (Prosa) BEWAG Literaturpreis, 2011 Literaturpreis des Landes Burgenland

Veröffentlichungen:

"Kein Platz in der Stadt", Roman, Löcker Verlag Wien 2017
"Doppelgänger", edition lex liszt 12, 2012
"Stammgäste", edition lex liszt 12, 2007

http://www.wolfgang-millendorfer.at

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