Rüdiger Hauck

Foto: Hans Wetzelsdorfer

Menschen! Nicht Tiere, nicht Gott! Ihr grausames Wollen durchzittert das Netz der Spinne, es wandelt die Kreise des Lichtes in blutende Schatten.

Siehst du die blitzenden Bögen unter den Wolken des Himmels; die Girlanden des Todes, gespannt von der fallenden Erde? Braunschwarze Länder, wer wart ihr denn einmal? Das heulen der glühenden Rohre stöhnt weiter im Staub, neben Gottes begrabener Träne, neben Tod und endloser Liebe. Die Erde dreht sich tief unter Gott; sie erträgt den Baum, das Tier und den Menschen, nur der Mensch erträgt seine Erde nicht mehr. Erträgt er noch Gott? Die Schlange zischt zu, immer näher dem Bild, das doch der Spiegel des Herrn ist, ein blinder, umschleierter Spiegel, beinahe schon Nacht! Da verkündet sich Gott noch einmal: im reinsten Herzen, dem Herzen der wunden Liebe; er flüstert zu Gräsern und Kindern, er flüstert zum Licht.

 

aus: „Die Madonna der kleinen Hirten", Hörspiel.

Zum/r Autor/in

Textprobe

1914-1999;  1931 - 1938 Studium der Medizin an der Universität Wien, lebte seit 1940 im Burgenland als Landarzt in St. Margarethen.

Er veröffentlichte Gedichte, Novellen, dramatische Erzählungen bzw. Stücke und Hörspiele („Die Madonna der kleinen Hirten", „Die Schnecken fressen Gras", „Der Himmel braucht keinen Milchmann", „Das Riff bei der Insel Yo", „Lazarus und der Apfel"); Buch: „Werke", Eisenstadt 1983.

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