Sidonia Binder

Foto: Hans Wetzelsdorfer

ES SIND DIE STEINE

Es sind die Steine, die im Weg liegen,
die herabfallen und erschlagen,
die festigen und schützen als Wall und Mauer.

Es sind die Steine, die in den Organen liegen,
langsam wachsend und tückisch versteckt.

Es sind die Steine, die Felsen,
auf die zu bauen ist bevor sie zerriebenen sind zu Sand
nach heftig wälzender Lebenszeit.

Es sind die Steine, die mahlen und zermalmen
und im Drehen die Achsen umgeben
für Bewegung und Halt.

Es sind die Steine,
geworfen, geschleudert
die des Anstoßes und die des Todes.

Es sind die Steine, die im Gemüt und auf der Seele liegen
und dann vielleicht
einmal vom Herzen fallen.

Es sind die Steine,
die Grenzen zum Himmel schaffen,
auf dem Dach, über dem Kopf,
auf dem Grab.

Und niemals vergeht die Hoffnung,
dass einer kommt und den Stein wegwälzt
bis zur Erlösung.

Zum/r Autor/in

Textprobe

Geb. 1946 in Kirchfidisch, lebt in Wien. Studium der Geographie und Geschichte, AHS-Lehrerin.

Zahlreiche literarische Veröffentlichungen von Lyrik, Kurzprosa, Hörspielen, Rezensionen in Zeitschriften, dem ORF und in Anthologien. Gedichte vertont von Otto Strobl, aufgeführt vom Haydn Trio Eisenstadt 2004. Zahlreiche Lesungen, Preise und Auszeichnungen. Mitglied des Österreichischen P.E.N. Clubs und des Österreichischen Schriftstellerverbandes, seit Juni 2009 Vorsitzende des OeSV

Veröffentlichungen:
„Bis auf Widerruf. Lyrik und Prosa", Eisenstadt 1980, „Dämonenjagd. Gedichte", Baden 1992

http://www.sidoniabinder.com/

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