Ich bin wie ein kaltes Reptil. Hertha Kräftner. Spurensuche und Sittenbild

Dine Petrik im Gespräch mit Daniela Strigl

in Zusammenarbeit mit der Burgenländischen Landesbibliothek

19:00 Uhr

Literaturhaus Mattersburg

In Dine Petriks Arbeit geht es um eine Spurensuche und um ein Sittenbild. Nicht in Form eines Romans, sondern in Gestalt einer handfesten biographischen Recherche, die mit literarischen Mitteln ausgebreitet und zusammengefasst wird. Die Spurensuche: Wo finden sich Belege und Symptome in Kräftners Leben und Werk, die auf das klinische Bild einer Depression oder einer manisch-depressiven Erkrankung deuten? Und, gegen das über die Dichterin verhängte Urteil der alles überschattenden Morbidität: Wo ist jene vitale Kraft spürbar, die Kräftner über Jahre dem Tod entgegengesetzt hat? Aber auch: Was genau hat es mit dem jugendlichen Trauma auf sich, das Kräftner in Gedichten und Briefen andeutet, das als Gerücht durch die Biographie geistert und bis jetzt nicht dingfest gemacht werden konnte?
(aus dem Vorwort von Daniela Strigl)

Dine Petrik hat ihre in diesem Jahr erschienene Neu-Auseinandersetzung mit der Autorin Hertha Kräftner, die einen Teil ihrer Jugend in Mattersburg verbracht hat, um weitere Details ergänzt: Man gewinnt vertiefte Einsichten in Lebens- und Arbeitsbedingungen der Autorin und auch mancher über sie tradierte Mythos wird korrigiert. Petriks Buch ist eine sehr genaue, einfühlsame und mit Mitteln der Poesie aufgebrochene, hinterfragende aber zugleich sehr lebendige Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Umständen, familiären Wurzeln und Zwängen der 1928 geborenen Schriftstellerin, die im Alter von 23 Jahren Suizid verübte. Vor allem aber rückt Petrik die Kraft des Werks der Autorin in den Blick. 

Dine Petrik wird in ihrer Lesung ihr aktuelles Buch vorstellen, zugleich gibt es die Möglichkeit, im Gespräch mit der Literaturwissenschafterin Daniela Strigl Leben und Werk Hertha Kräftners im Kontext ihrer Zeit einzuordnen und zu betrachten. Dabei wird auch die Situation der schreibenden Frauen zu jener Zeit Thema sein, vor allem die Schwierigkeit der weiblichen literarischen Positionierungen im kulturellen Umfeld der Nachkriegszeit.

Dine Petrik
geboren 1942 im Burgenland, lebt in Wien. Lyrikerin, zwei Romane, diverse Artikel und Essays in den hiesigen Medien. Sie begann relativ spät, mit 50 zu schreiben und zu veröffentlichen. In verschiedenen Verlagen sind bisher zwölf Buchpublikationen erschienen (darunter sechs Lyrikbände sowie eine Erzählung (Otto Müller), und eine Biografie (ArtScience) der 1951 verstorbenen Lyrikerin Hertha Kräftner).

Daniela Strigl
geboren 1964 in Wien. Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin, Essayistin (FAZ, Falter, Der Standard, Die Furche, Die Zeit u.a.) Von 2003–2009 und 2011–2014 Mitglied der Jury des Ingeborg Bachmann Preises (Klagenfurt). 2009 Mitglied der Jury des Deutschen Buchpreises sowie 2013–2015 des Preises der Leipziger Buchmesse. 2005 Scholar in Residence an der Rutgers University, NJ, seit 2007 Lehrtätigkeit am Institut für Germanistik der Universität Wien, 2018 Habilitation. Österreichischer Staatspreis für Literaturkritik 2001, Max Kade Essaypreis 2007, Alfred Kerr Preis 2013. Berliner Preis für Literaturkritik 2015, Merck-Preis für literarische Kritik und Essay 2019. Zuletzt erschien »Berühmtsein ist nichts«. Marie von Ebner-Eschenbach. Eine Biographie (2016), Alles muss man selber machen (2018).

Eintritt: Freie Spende

Aus organisatorischen Gründen bitten wir um Anmeldung unter
Auch ohne Anmeldung können sie an der Veranstaltung teilnehmen, es werden ausreichend Sitzplätze vorbereitet.

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