Der Himmel über dem SeeWeite und WasserMarko DinićNadine SchneiderRaphaela EdelbauerGrupa RougeÜber Grenzen hinweg

Leinen los

Literaturfest auf dem Neusiedler See

Schifffahrt mit Lesungen und Musik

So 22.09.2019 11 Uhr

Ablauf

10.30 Uhr Einlass
11. 00 Uhr Abfahrt Seebad Mörbisch, im Hafen der Schifffahrtslinie Drescher
11.10 Musik und Begrüßung
Lesungen von Nadine Schneider und Marko Dinić
Musik

12.10 - 12.40 Pause mit Weinverkostung
12.40 - 13.10 Musik und Lesung von Raphaela Edelbauer
Ca. 13.30 Rückkehr in den Hafen

Zum heuer achten Mal startet das Literaturhaus Mattersburg mit dem Literaturfest Leinen los in den Herbst. Sprache und Klang treffen auf die spezifische Atmosphäre des Neusiedler Sees.

Das Schiff startet diesmal beim Seebad Mörbisch, im Hafen der Schifffahrtslinie Drescher.

Zu hören ist Literatur von Raphaela Edelbauer, Nadine Schneider und Marko Dinić sowie Musik vom Frauenchor Rouge. Natürlich gibt es auch wieder Weine zu verkosten, dieses Mal vom Weingut Andreashof aus Mörbisch.

Die Besonderheiten der Region rund um den Neusiedler See - ein Landstrich, an dem viele historische und kulturelle europäische Erfahrungen zusammentreffen - spiegeln sich jedes Jahr im Programm der literarischen Schifffahrt wider. Thematisch stellt „Leinen los" Literatinnen und Literaten vor, die in ihrem Schreiben Grenzen überschreiten und Begegnungen möglich machen. Unweit des Neusiedler Sees wurde im September 1989 Weltgeschichte geschrieben, dem europäischen Zusammenleben haben sich neue Möglichkeiten eröffnet.
Die Autorinnen und Autoren, die beim heurigen Literaturfest zu hören sind, schreiben aus unterschiedlichstem Blickwinkel über Veränderungen, die wir miterlebt haben und für die wir auch Verantwortung tragen.

Nach dem Jugoslawienkrieg

Der "Gastarbeiterexpress" rollt über die ungarische Autobahn, von Österreich nach Serbien, die Fahrgäste im Bus haben vor allem eines gemeinsam: Sie haben ihre Heimat verlassen und sind jetzt auf dem Weg zurück dorthin, für einen kurzen Besuch oder ein Familientreffen, vorübergehend. Und einer kehrt nach zehn Jahren erstmals wieder nach Belgrad zurück: passiert die Grenze in die eine Richtung, wo vor kurzem noch Geflüchtete in die andere Richtung wollten.

Durch den Roman „Die guten Tage“ von Marko Dinić zieht sich eine Zerrissenheit, ein Hin- und Her Geworfensein, das sich durch stete Schwenks zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Begegnungen im Bus, der Schule, der Familie oder auch dem Umfeld in Wien (das aber wenig Gestalt annimmt) auch formal manifestiert. Es ist alles gleichzeitig da und nichts wirklich vergangen. Die Erinnerungen sind weitaus lebendiger erzählt als die Gegenwart.

Dinić erzählt von einer verlorenen, wütenden Generation, der man die Zukunft verbaut hat, die keinen Halt findet, den Staat und die Eltern hasst und auch sich selbst, weil sie mit diesem Staat und diesen Eltern so verbunden ist. Es ist ein Generationenkonflikt und eine Abrechnung mit Krieg und Nachkriegszeit, dem Schönreden und Verschweigen von Verbrechen, dem Drücken vor Verantwortung, ein österreichisches Thema in einer neuen Variation.

Bleiben oder Flüchten

Rumänien 1989: Die Hitze ist drückend, das Getreide steht hoch, sonst würde man bis zur Grenze sehen können. Der Gedanke an Flucht liegt verlockend und quälend nahe, noch weiß niemand, was kommt und was in ein paar Monaten Geschichte sein wird. In einem Dorf im Banat, weit weg von Bukarest, dem Machtzentrum des Ceaușescu-Regimes, erlebt Anna einen Spätsommer von dramatischer und doch stiller Intensität. Die Hauptfigur des Romans „Drei Kilometer“ von Nadine Schneider ist hin- und hergerissen, nicht zuletzt zwischen Hans, ihrem Geliebten, und Misch, dem gemeinsamen Freund. Bei wem will sie bleiben? Mit wem will sie gehen? Und ist Hans tatsächlich ein Spitzel, wie Misch vermutet? Mit diesen Fragen bewegt sich Anna plötzlich gefährlich nahe an der Grenze zwischen Treue und Verrat.
Atmosphärisch dicht und schnörkellos erzählt Nadine Schneider von den persönlichen Verstrickungen in einer Zeit vor dem politischen Umsturz. Und davon, was es braucht, um zu bleiben – oder was es bedeutet, sein Land zu verlassen, für sich und die, die man zurücklässt.

Vom Verdrängen

Ein Ort, der nicht gefunden werden will. Eine Gräfin, die über die Erinnerungen einer ganzen Gemeinde regiert. Ein Loch im Erdreich, das die Bewohner in die Tiefe zu reißen droht. In ihrem schwindelerregenden Debütroman „Das flüssige Land“ geht Raphaela Edelbauer dem Verdrängen auf den Grund.

Der Unfalltod ihrer Eltern stellt die hochbegabte Physikerin Ruth vor ein nahezu unlösbares Paradox. Ihre Eltern haben verfügt, im Ort ihrer Kindheit begraben zu werden, doch Groß-Einland verbirgt sich beharrlich vor den Blicken Fremder. Als Ruth endlich dort eintrifft, macht sie eine erstaunliche Entdeckung. Unter dem Ort erstreckt sich ein riesiger Hohlraum, der das Leben der Bewohner von Groß-Einland auf merkwürdige Weise zu bestimmen scheint. Überall finden sich versteckte Hinweise auf das Loch, doch keiner will darüber sprechen. Nicht einmal, als klar ist, dass die Statik des gesamten Ortes bedroht ist. Wird das Schweigen von der einflussreichen Gräfin der Gemeinde gesteuert? Und welche Rolle spielt eigentlich Ruths eigene Familiengeschichte? Je mehr Fragen sie stellt, desto vehementer bekommt Ruth den Widerstand der Bewohner zu spüren. Doch sie gräbt tiefer und ahnt bald, dass die geheimnisvollen Strukturen im Ort ohne die Geschichte des Loches nicht zu entschlüsseln sind.

Musikalisch begleitet wird das heurige Literaturfest von dem ungarisch-kroatischen Frauenchor “Grupa Rouge” unter der Leitung der aus Kópháza stammenden Musikerin Silvana Payrits.

Ticket 16 €

Das Ticket umfasst Schifffahrt, Lesungen, Musik und Weinkostproben.

Seebad Mörbisch im Hafen der Schifffahrtlinie Drescher (Drescher Touristik, Badeanlage 1, 7072 Mörbisch am See).

Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt.

Buchen können Sie ausschließlich im Vorverkauf unter

oder per Telefon: 0699 11970667

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