Stefan Horvath

Literarische Begegnung

Ein Abend mit den Theodor-Kramer-Preisträgern 2016 Stefan Horvath und Gerhard Scheit

Schreiben im Widerstand und Exil

Di 08.11.2016 19.30 Uhr

Literaturhaus Mattersburg

Anlässlich der Verleihung des Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil an den Oberwarter Autor Stefan Horvath und den Wiener Autor, Kritiker und Essayisten Gerhard Scheit findet im Literaturhaus Mattersburg in Kooperation mit der Theodor-Kramer-Gesellschaft und dem 70'er Haus eine Lesung mit anschließendem Gespräch mit den Preisträgern statt. Anna Mayer-Benedek von der Theodor Kramer Gesellschaft moderiert den Abend.

Jiddische Chansons
mit Joana Feroh Sternwasser
und Nikos Pogonatos (Piano)

 

Stefan Horvath


1949 im Oberwart geboren, wuchs als Sohn zweier KZ-Überlebender in der zweiten, 1946 entstandenen Oberwarter Roma-Siedlung auf. Als erster Rom durfte er die Hauptschule besuchen und begann mit 15 Jahren mangels Zukunftsperspektiven im Burgenland als Bauhilfsarbeiter in Wien zu arbeiten. In der Nacht auf 5. Februar 1995 wurde sein Sohn, Peter Sarközi, als einer von vier jungen Roma beim zweiten Rohrbomben-Anschlag von Franz Fuchs getötet. Noch am selben Tag, im Alter von 46 Jahren, begann Horvath zu schreiben. Seine Bücher - darunter „Ich war nicht in Auschwitz" über die Erfahrungen seiner Elterngeneration sowie „Katzenstreu" über den Anschlag 1995 - seien „starke literarische Arbeiten über den alltäglichen Antiziganismus in Österreich, welche das Schweigen brechen, den Diskriminierungen, der erdrückenden Ungerechtigkeit, dem Hass ein Ende setzen wollen", heißt es in der Preisbegründung. „Stefan Horvath schreibt ohne Verbitterung, ohne Illusion, jedoch mit viel Hoffnung und meisterhaftem erzählerischem Können."

 

Gerhard Scheit


1959 als Sohn eines Wiener Philharmonikers geboren, studierte Theaterwissenschaft, Deutsche Philologie, Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Wien und an der FU Berlin sowie Musik privat bei Georg Knepler in Ostberlin. Er ist einer der Verfasser von „Orpheus im Exil" (1995), einer Bestandsaufnahme der Vertreibung der österreichischen Musik von 1938 bis 1945, veröffentlichte Bücher und Studien u.a. zur „Dramaturgie des Antisemitismus", zu Gustav Mahler sowie den Ursprüngen von Terror und gab drei Bände der neuen Werkausgabe Jean Amerys heraus. Scheit ist auch Mitbegründer der Jura Soyfer Gesellschaft, Herausgeber der Zeitschrift „sans phrase" und lehrte an den Instituten für Musikwissenschaft und Politikwissenschaft. „Wenn es in Österreich und Deutschland jemanden gibt, der seit über 30 Jahren konsequent profunde essayistische, philosophische und kämpferische Literatur zu Exil, Widerstand und Antisemitismus geschrieben hat, dann ist es Gerhard Scheit", heißt es in der Würdigung. „Mit seinen sprachlich brillanten Essays betritt er den weiten Weg zu einer schwierigen Heimkehr - zum denkenden, sein Handeln verantwortenden Menschen."

Mit dem Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil werden sowohl die literarische Qualität, als auch die Haltung und das Schicksal der Preisträger gewürdigt. Er wird seit 2001 alljährlich verliehen. Bisherige Preisträger waren u.a. Ruth Klüger, Elazar Benyoetz, Fred Wander, Milo Dor und im Vorjahr Hazel Rosenstrauch. Gleich zwei Preisträger in einem Jahr gab es zuvor bereits vier Mal, zuletzt 2013 mit Margit Bartfeld-Feller und Manfred Wieninger.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit der Theodor Kramer Gesellschaft und dem 70'er Haus.