Innere Welten

mit Milena Michiko Flašar und Thomas Stangl

Mi 09.04.2014 19.00 Uhr

Literaturhaus Mattersburg

Bei der Lesung stellt das Literaturhaus Mattersburg zwei österreichische AutorInnen und ihre aktuellen Bücher vor. Ich nannte ihn Krawatte von Milena Michiko Flašar und Regeln des Tanzes von Thomas Stangl sind zwei Bücher, die etwas beschreiben, was kaum darstellbar ist. Sie versuchen die Wechselwirkungen des Innen und des Außen nachvollziehbar zu machen.

Sich verweigern

In Milena Michiko Flašars Buch Ich nannte ihn Krawatte begegnen einander zwei Menschen auf einer Parkbank. Der eine alt, der andere jung, zwei, die aus dem gesellschaftlichen Rahmen fallen. Nach und nach erzählen sie einander ihr Leben und setzen behutsam wieder einen Fuß auf die Erde. Nur wenige sorgfältig gewählte Worte benötigt Milena Michiko Flašar, um ihre Figuren zum Leben zu erwecken. Die junge Hauptfigur ist ein Hikikomori, er verlässt sein Zimmer über Monate nicht. In Japan gibt es das Phänomen, dass sich junge Menschen weigern, das Haus ihrer Eltern zu verlassen, sich in ihrem Zimmer einschließen und den Kontakt zur Familie auf ein Minimum beschränken.

Milena Michiko Flašar

Geboren 1980 in St. Pölten, hat in Wien und Berlin Komparatistik, Germanistik und Romanistik studiert. Sie ist die Tochter einer japanischen Mutter und eines österreichischen Vaters. Die Autorin lebt in Wien und unterrichtet Deutsch als Fremdsprache.

Politik und Poesie

In Regeln des Tanzes von Thomas Stangl durchstreifen drei Personen Wien zu unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedlichen Motiven. Sie versuchen auf verschiedene Weisen, in der Wirklichkeit anzukommen - durch politisches Engagement, durch Kunst oder durch das Leugnen von Zwängen. Stangls Roman ist eine hypnotische Meditation über unsere Gegenwart. Der Autor versucht zu beschreiben und nachvollziehbar zu machen, wie Poesie und Politik einander beeinflussen und durchdringen können. Zugleich ist das Buch auch ein ungewöhnliches Stadtporträt von Wien. Regeln des Tanzes kam 2013 auf die Longlist des Deutschen Buchpreises.

Thomas Stangl

1966 in Wien geboren, dort lebt er auch, studierte Spanisch und Philosophie. Für seinen ersten Roman Der einzige Ort erhielt er den aspekte-Preis für das beste deutschsprachige Debüt 2004. 2006 erschien sein zweiter Roman Ihre Musik, der 2007 mit dem Literaturpreis der Deutschen Wirtschaft ausgezeichnet wurde. Im Juni 2007 gewann Thomas Stangl beim Bachmann-Preis in Klagenfurt den Telekom-Preis für einen Auszug aus seinem dritten Roman Was kommt (Droschl, 2009). Im Oktober 2009 wurde Stangl der manuskripte-Preis verliehen, im Oktober 2010 war er der erste Preisträger des Literaturpreises Alpha. 2011 erhielt Thomas Stangl den Erich-Fried-Preis.