Schreiben und lesen mitten in Europa

Gespräche und Lesungen mit Gästen aus Ungarn - Krisztián Grecsó (Autor) und Wilhelm Droste (Autor und Lektor an der Universität Budapest)

Di 22.10.2013 19.00 Uhr

Literaturhaus Mattersburg

Die Schatten der Vergangenheit

Im Dorf geschieht Seltames: Bewohner plaudern mit Verstorbenen, gelegentlich erscheint ein verbannter KZ-Überlebender den Frauen und Mädchen von Sarasag im Traum und dann empfängt Tante Pannika ein Diktat aus dem Jenseits, das die kommunistische Weltordnung bedroht. Krisztián Grecsós Roman „Lange nicht gesehen", der 2007 auf Deutsch erschien, beschreibt sonderbare Ereignisse in dem ungarischen Dorf Sarasag. An seinem 23. Geburtstag erhält Gergely Galler, die Hauptfigur des Buches, völlig überraschend einen Anruf von einem alten Schulfreund, er möge sofort heimkehren, wegen der veränderten Zeiten sei jetzt das sogenannte "Klein-Tagebuch" einzusehen, und was da alles über sie und die anderen Sarasager ans Licht käme, könne niemand vorhersehen. Zwei Tage lang holen Gergely die Schatten aus der Vergangenheit ein, die Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend, eine magische, verrückte Welt voller Rätsel und merkwürdiger Ereignisse. Erst am dritten Tag macht er sich auf die Reise und begibt sich auf die Spuren dessen, was er im "Klein-Tagebuch" zu finden hofft.

Kritiker sahen im Buch von Krisztián Grecsó eine mutige Auseinandersetzung mit der ungarischen postsozialistischen Gesellschaft, sowie mit ihrem unterdrückten Erbe von Faschismus, Judenverfolgung und Kommunismus. Krisztián Grecsó gilt in Ungarn als gesellschaftskritisch und äußert sich auch öffentlich zu
gesellschaftspolitischen Themen. So  wird er auf www.eurotopics.net  folgendermaßen zitiert:

„....In Ungarn beherrscht Angst alles. Es ist eine Angst vor der Autorität, vor Schröpfungen, ja davor, dass uns auch die restlichen Möglichkeiten genommen werden, dass wir keinen Arbeitsplatz, keine Rente, keine Wohnung, keine Zigaretten, keinen Wein mehr haben werden. Das ungarische Volk ist heillos autoritätsgläubig. Die Ungarn haben seit jeher eine Neigung dazu, sich unterjochen zu lassen", meint der Schriftsteller Krisztián Grecsó in der linken Sonntagszeitung Vasárnapi Hírek.

Gesprächsrunde über die Gegebenheiten der kulturellen Szene in Ungarn und in Österreich

An dem Abend wird man einige Auszüge aus dem Roman „Lange nicht gesehen" auf Deutsch hören können. Anschließend gibt es eine Gesprächsrunde mit Krisztián Grecsó und Wilhelm Droste, der ebenfalls ein profunder Kenner der ungarischen zeitgenössischen Literatur ist. Wilhelm Droste selbst ist Autor und an der Universität Budapest als Lektor tätig.

Krisztian Grecsó

geboren 1976 in Szegvar, einem ungarischen Dorf, das Sarasag aus „Lange nicht gesehen" als Vorbild diente. Krisztián Grecsó schreibt Gedichte, Erzählungen und Romane. Er lebt heute in Budapest. Grecsó studierte Hungarologie und arbeitet auch als Redakteur und Kritiker für die beiden wichtigsten Literaturzeitschriften Ungarns, "Elet es Irodalom" und "Barka". 2005 war er Stipendiat der Akademie der Künste Berlin und 2006 Gast des Literarischen Colloquiums Berlin.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Germanistik Institut der Westungarischen Universität/Campus Savaria.

Die Veranstaltung wird von der Österreichischen Gesellschaft für politische Bildung gefördert.