Kreuzigungen

mit Peter Wagner

Buchpräsentation

Do 12.09.2013 19.00 Uhr

Literaturhaus Mattersburg

Peter Wagner legt einen neuen Roman vor, er trägt den Titel: Kreuzigungen. Ein Triptychon. Roman in drei Richtungen. Die Buchpräsentation für das Nordburgenland führt er im Literaturhaus Mattersburg durch. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Verlag Edition Marlit.

Die Macht der gesellschaftlich fixierten Muster

In den drei Teilen des neuen Romans von Peter Wagner begegnet man dem jeweiligen Ich-Erzähler am Höhepunkt einer (Lebens)Krise. Die Männer sind unterschiedlichen Alters und haben von ihren Lebensentwürfen her zunächst wenig miteinander zu tun. Der eine führt ein erfolgreiches Unternehmen als Manager im Kulturbetrieb, der andere blickt als alter Mann auf seine Jahre als Erzbischof und Kardinal zurück, der dritte steht als junger Rechtspopulist vor einem unverhofften Karrieresprung, nämlich direkt an die Spitze seiner Bewegung. Gemeinsam ist ihnen, dass sie, jeder in seinem speziellen Umfeld, Protagonisten eines Selbstverständnisses sind, dessen ideelle, bis dahin nicht in Frage gestellte Fundamente durch ein scheinbar individuelles Fehlverhalten, durch einen vermeintlichen Schicksalsschlag oder eine plötzliche Krankheit eine traumatische Umkehr erfahren. Wie bei einem Triptychon öffnen sich die Seitenteile zu einem Innenleben, das den Helden selbst bis dahin nur von seiner äußeren Seite her bekannt war, und legen den Blick frei auf etwas, das ihnen fremd, unheimlich, monströs, jedenfalls aber unvorbereitet daherkommt. Das vermeintliche Opfer, das sie angesichts der Fremdheit der sie bedrängenden Mächte und Schicksalsregungen bringen und das sie als eine Art Kreuzigung erleben, entpuppt sich letztlich als Selbstkreuzigung und -geißelung: Der vielleicht schmerzenden, am Ende heilvollen Einsicht in die eigene Getriebenheit im Rahmen gesellschaftlich fixierter Muster wird nur partiell oder gar nicht Raum geschaffen; es überwiegt die martialischen Attitüde, in der man sich selbst als Opfer widriger Umstände und feindseliger äußerer Bewegungen einrichten kann. Letztlich existiert Freiheit sowohl in hündischer Unterwerfung als auch in analog dazu entwickelter Hypertrophie, die Würde sowohl in der Leugnung individuellen Anspruchs als auch in anmaßender Selbstüberhöhung, Daseinserfahrung sowohl in persönlichkeitsfremden Leitbildern als auch in der Melancholie gescheiterter Entwürfe, Erlösung sowohl in aggressiver Handhabung der Macht als auch in autoaggressivem Selbstmitleid.

Peter Wagner 

geboren 1956 in Wolfau, lebt und arbeitet im Südburgenland. Seine Genres sind: Literatur, Film, Theater, Musik. Er schrieb etwa 30 Stücke für Theater und 20 für Rundfunk, die in Österreich, Deutschland, Ungarn, Slowenien und Italien aufgeführt wurden, inszeniert prinzipiell nur Uraufführungen und wurde mehrmals ausgezeichnet, zuletzt mit dem burgenländischen Landeskulturpreis. Arbeiten von ihm wurden ins Italienische, Spanische, Rumänische, Kroatische, Französische, Ungarische, Georgische und Slowenische übersetzt.

Zu Wagners bekanntesten Stücken gehören „Die Mühle", „Lafnitz", „März. Der 24.", „Oberwart. Mon amour", „Wenn wir einmal Engel sind" sowie die Filme „Hugo Hugo oder Das Auge der Götter", „Adi gusch", „Die Roma-Schauer", „Stefan Horvath - Zigeuner aus Oberwart" (Diagonale 05), „Die Eiserne Grenze" (Diagonale 08), „Entscheidungsspiel. Ein Filmpoem".

Bücher: Die Burgenbürger, Edition Marlit 2009, Tetralogie der Nacktheit, Wenn wir einmal Engel sind, Requiem. Den Verschwiegenen (edition lex liszt 12) u.a.

Tonträger: Die weiße Frau, Die schwarze Kaiserin, Die Bombe am Kinderspielplatz, Die gläserne Spinne, u.a.