Indigo

mit Clemens J. Setz

Do 11.04.2013 19.30 Uhr

Literaturhaus Mattersburg

„...Eigentlich sind Geschichten nicht dafür da, unsere Wirklichkeitsdrüsen zu massieren..."

Clemens J. Setz in einem Suhrkamp-Interview zu Indigo auf Youtube

Der neue Roman von Clemens J. Setz spielt mit einer Urangst von Eltern. Es geht um Kinder, die eigenartige Symptome zeigen. Jeder, der sich in der Nähe der Indigo-Kinder aufhält, wird  von Kopfschmerzen und Schwindel befallen und muss sich innerhalb kürzester Zeit übergeben. Seit den 80-er Jahren sind Indigo-Kinder ein Bestandteil der Esoterik-Literatur. Ihnen wird eine spezielle spirituelle Energie und eine blaue Aura zugeschrieben. In Clemens Setz Roman steckt man die Indigo- Kinder, deren Nähe so furchtbare Symptome erzeugt, in die Sondererziehungsanstalt Helianau in der Steiermark. Manche aber werden von dort „reloziert", das heißt: Sie verschwinden spurlos. Andere bringen sich aus Verzweiflung um. An diesem Institut tritt der junge Mathematik-Lehrer Clemens Setz, der Protagonist trägt Namen und Züge des Autors, sein Unterrichtspraktikum an. Doch sein Engagement dauert nicht lange. Er beobachtet mysteriöse Vorgänge im Institut.

Auf einer anderen Erzählebene wird im Jahr 2021 ein früheres Indigo-Kind als junger Erwachsener gezeigt: Robert Tätzel ist wie seine Freundin durch Medikamente „eingestellt" und hat bizarre Angstträume. In dieser Zukunft wird man ständig beobachtet von sogenannten „iBalls", und es ist normal, dass man während des Liebesakts im Internet surft.

Die beiden Haupterzählstränge werden durch Rückblenden, Exkurse und einmontierte Dokumente wie Briefe, Patientenakte, Zeitungsausschnitte, Fotos und die Klappentexte fiktiver Bücher unterbrochen, ergänzt, weitergeführt.

Spuren, Varianten, Abgründe

„Jede Variante bekommt in dem Buch ihre Spur - und keine führt zu Gewissheit, wenn sie denn überhaupt irgendwohin führt." schreibt Jens Jessen in einer Zeit-Kritik,"Man könnte sagen, der Schriftsteller Clemens Setz, ein Meister der Rezeptionspsychologie, hat genau den Punkt gefunden, an dem der kognitive Prozess der Lektüre in eine physische Reaktion umschlägt. Man könnte das den Indigo-Effekt nennen - den Indigo-Effekt der Literatur."

Clemens J. Setz Roman ist düster, abgründig, witzig, brutal, spannend, schaurig, intensiv. Der Autor erzählt eine Geschichte, die den Leser in Atem hält, die mit Fakten und Fiktion spielt, die sich mit den Prinzipien der Recherche und dem Herausfinden von Informationen beschäftigt, die ihre Themen variiert und verwandelt.  

Clemens J. Setz wurde 1982 in Graz geboren. Er studierte Mathematik und Germanistik und lebt als Übersetzer und freier Schriftsteller in Graz. Für seinen Erzählband Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes wurde er 2011 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Indigo war auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2012.