Der Winter tut den Fischen gut

mit Anna Weidenholzer

Alt ist sie nicht, aber ihr Leben läuft trotzdem rückwärts, an seinen Möglichkeiten, Träumen und Unfällen vorbei.

Do 19.09.2013 19.00 Uhr

Literaturhaus Mattersburg

"Überhaupt ist der unaufdringliche, zwischen leiser Komik und trockenem Sarkasmus changierende Humor eine große Stärke des Romans."
(Klaus Nüchtern, Falter)

Am Rand der Gesellschaft

Maria hat Zeit. So sitzt sie tagsüber oft auf einer Bank am Platz vor der Kirche, beobachtet das Treiben dort, ein Kommen und Gehen, Leute, die Ziele haben und wenig Zeit. Die arbeitslose Textilfachverkäuferin kennt sich mit Stoffen aus, weiß, was zueinander passt, was Schwächen kaschiert und Vorzüge betont. In ihrem eigenen Fall ist das schwieriger: Welcher Vorzug macht ihr Alter vergessen für einen Markt, der sie nicht braucht? Alt ist sie nicht, aber ihr Leben läuft trotzdem rückwärts, an seinen Möglichkeiten, Träumen und Unfällen vorbei: Otto, der sein Leben im Gemüsefach lässt, Walter, der Elvis-Imitator von der traurigen Gestalt, der sie zur Witwe macht, Eduard, der mit einer anderen aus der Stadt zurückkehrt, ihre kleinere Schwester, die so sehr Mutter ist, dass sie Maria wie ein Kind behandelt. 

In solchen Geschichten um solche Menschen, liebenswert in ihrer skurrilen Versponnenheit, entwirft Anna Weidenholzer ein Bild von einer Frau am Rande der Gesellschaft. Und das ist immer noch mitten im Leben.

Das Buch war für den Preis der Leipziger Buchmesse 2013 nominiert. Anna Weidenholzer wurde heuer für ihren Roman mit dem Reinhard-Priessnitz-Preis ausgezeichnet.


Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Burgenland.

Anna Weidenholzer

geboren 1984 in Linz. Von 2002 bis 2008 Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft in Wien und Wrocław/Polen, Abschluss mit einer Arbeit zur Interkulturellen Literatur aus Bosnien-Herzegowina. Arbeitete während und nach dem Studium im Tagesjournalismus bei einer Regionalzeitung. Seit 2010 freischaffend tätig. Lebt in Wien.