Unzeitgemäße Gedanken

Ein Abend über Sándor Márai.

Persönliches wie zeithistorisches Dokument eines großen europäischen Schriftstellers und Denkers.

Do 12.03.2009 19.00 Uhr

Literaturhaus Mattersburg

Persön­liches Bekenntnis und historisches Dokument 

Die Tagebücher des ungarischen Romanciers und Essayisten Sándor Márai bieten Einblicke in das Denken und Fühlen eines der wichtigsten Schriftsteller seiner Generation und eines großen europäischen Autors des 20. Jahrhunderts. Es ist das Werk eines Mannes, der in jungen Jahren seine Heimat verließ, um Europa zu entdecken. Er ging nach Deutschland und Frankreich, arbeitete als Essayist und Kritiker und hat nach dem Krieg mit seiner Familie Ungarn aus politischen Gründen verlassen. Der Piper Verlag hat Anfang 2009 nun zwei Bände der Tagebücher von Sándor Márai auf Deutsch vorgelegt. Herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Ernö Zeltner. Der erste Band "Literat und Europäer" wurde von Akos Doma aus dem Ungarischen ins Deutsche übertragen, der zweite Band "Unzeitgemäße Gedanken" Tagebücher Nr. 2 von Clemens Prinz berichtet vom Jahr 1945. Der oberösterreichische Übersetzer Clemens Prinz, der zur Zeit in Budapest lebt, wird im Literaturhaus Mattersburg Einblick in seine Übersetzungsarbeit geben. Außerdem ist an diesem Abend Schlagermusik aus den 30-er Jahren im Literaturhaus Mattersburg zu hören.

Untergang und Neubeginn

1945 ist für Sándor Márai ein Schicksalsjahr, es ist der Untergang der alten Welt, das Ende des bürgerlichen Zeitalters, dem er mit Leib und Seele angehörte. Genau beobachtet er, was um ihn herum geschieht, liest Zeitung und lauscht den Informationen der BBC, die auch in Ungarn zu empfangen sind. Als scharfer Kommentator und zorniger Prophet beschreibt er die Zustände in seinem Land und nimmt die Zukunft Europas in den Blick. Klug, hellsichtig, anrührend, zutiefst human und persönlich sind die unzeitgemäßen Gedanken des bürgerlichen Demokraten Márai, der neben seinen Notizen zu William Shakespeare und Charles Baudelaire, Georg Büchner und Sigmund Freud seine Ansichten zu Neubeginn und Emigration verfasst. Das leidenschaftliche, ebenso persönliche wie zeithistorische Dokument eines großen Schriftstellers und Denkers.

Sándor Márai

am 14. April 1900 in Kaschau (Košice, heute Slowakei) geboren, lebte und studierte in verschiedenen europäischen Ländern, ehe er 1928 als Journalist nach Budapest zurückkehrte. Er verließ Ungarn 1948 aus politischen Gründen und ging 1952 in die USA, wo er bis zu seinem Freitod am 22. Februar 1989 lebte. Mit der Neuausgabe des Romans »Die Glut« (1999) wurde Márai als einer der großen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts erkannt und zum Bestsellerautor. Danach erschienen zahlreiche Neuausgaben seiner Werke, die alle bei Piper vorliegen, zuletzt der Roman »Die Möwe« und die Neuedition seiner Tagebücher.

Clemens Prinz

geboren 1973 in Freistadt, Oberösterreich. Studium der Europäischen Ethnologie und Hungarologie in Wien, Debrecen und Budapest. Mitarbeiter der ungarischen Auschwitz-Stiftung, des Pester Lloyd, der Budapester Zeitung und des PEP!-Magazins. Seit 2001 Österreich-Lektor an der TU Budapest. Unterrichtet Übersetzung, Stilübungen, Landeskunde. Übersetzerische Arbeiten.
Literaturförderungsprämie des Landes Oberösterreich 2005