Literaturstipendium

Verleihung

Landesrat Helmut Bieler verleiht das Literaturstipendium der Burgenländischen Landesregierung an Michaela Schöller.

Di 08.04.2008 19.30 Uhr

Literaturhaus Mattersburg

Die  Entdeckung

Mit dem Zuerkennen des Literaturstipendiums des Kulturreferates der Burgenländischen Landesregierung wurde die Journalistin Michaela Schöller als burgenländische Autorin entdeckt und öffentlich bekannt gemacht. Das Stipendium, um das sich 23 AutorInnen beworben haben, wird im Rahmen einer Feier durch Kulturlandesrat Helmut Bieler offiziell übergeben. In ihrer Begründung stellte die Jury fest, dass die zehnseitige Textprobe „vor allem durch eine gänzlich frische, unorthodoxe Erzählweise überzeugte".

Komisch und ergreifend

Das Romanfragment "Was dem Kedves Károly sein Schlüsselbein erzählte" ist eine traurig-schöne, lustige und melancholische Erzählung über die Erlebnisse und Begebenheiten in einem burgenländischen Dorf, über Träume, Sehnsüchte und Lügen, über das Verhältnis einer Großmutter zu ihrer Enkelin und über das Erzählen selbst.
In der Sprache von Michaela Schöller spiegeln sich auch die Sprachen der burgenländischen Volksgruppen wider, da kommen ungarische Ortsnamen und kroatische Koseworte vor.

"Meine schönste traurige Geschichte ist passiert als ich sieben war hat der Alexander gesagt und wir haben uns auf das Bett gelegt und gemeinsam auf die Decke gestarrt. Die beginnt, wie alle wirklich wohlriechenden Kindheitserinnerungen,  in einer kleinen Bäckerei. Noch kleiner als die Bäckerei ist man nur noch selber, vor allem in der Erinnerung. Der Bäcker heißt Onkel Horvath und hinter der Budel steht seine Schwester, die Teta Anna. Weil es kurz vor Ostern ist, ist die Bäckerei voll mit Menschen die zu träge oder zu ungeschickt sind ihre Osterpinzen selber zu backen. Vor mir dran sind: Die alte Kati, die immer in der Kirchenbank vor uns gesessen ist und ein bisschen und leise geschnarcht hat.  Der Rudl-Feder, der fremden Hühnern gerne Eier weggenommen hat um sie roh zu schlürfen und dann war da noch die Missis vor mir, die eigentlich nicht Missis geheißen hat sondern Frau Karlovits, unverheiratet und Englischlehrerin. Was sonst noch vor mir war, in Augenreichweite, das war ein Kaminkehrer. Die Hülle aus hauchzartem und knusprigem Teig. Sieben Zentimeter lang. Ein blassbraunes Röhrchen gefüllt mit einer magischen Creme deren Rezept der Onkel Horvath nicht einmal auf seinem Sterbebett verraten hat. Der Kaminkehrer, das war der perfekteste Geschmack in Schokolade gehüllt."  Michaela Schöller "Was dem Kedves Károly sein Schlüsselbein erzählte"

Michaela Schöller

Geboren 1971 in Deutschkreutz. Studierte Spanisch und Medienfächer in Graz und publizierte in dieser Zeit erste Erzählungen und ein Hörspiel. Mehrere längere Studienaufenthalte in Spanien. Nach ihrem Studium als Lektorin an der Universität Graz tätig, seit 1997 arbeitet sie als Redakteurin für den ORF Burgenland.

 Publikationen:

  • „Va Apetlon bis Zuberboch - Buchstobm fias Burgenland", Gedichte, gemeinsam mit David Stifter, ORF 1994
  • „Almenrausch", Hörspiel, gemeinsam mit David Stifter, ORF 1995
  • „Endales", Kurzgeschichte, ORF 1996
  • „Die rote Nacht", Kurzgeschichte, ORF 1997