Die Ruhe

Attila Bartis

Wie sich das Kaputte eines politischen Systems auf die Trostlosigkeit von menschlichen Beziehungen auswirkt.

Mi 10.12.2008 19 Uhr

Literaturhaus Mattersburg

Die Wende in Ungarn

Attila Bartis erzählt in seinem Roman "Die Ruhe" eine Geschichte mit beklemmender Intensität. Dieser "roman noir" ist Familiengeschichte und Künstlerroman, zugleich aber auch ein großes Buch über die Wende in Ungarn. 
Die Karriere der gefeierten Budapester Schauspielerin Rebeka Weér, unvergesslich in der Rolle von Shakespeares Cleopatra, erfährt über Nacht ein jähes Ende. Der Grund: Ihre Tochter Judit, eine hochbegabte Geigerin, hat sich in den Westen abgesetzt.
Von den Behörden unter Druck gesetzt, versucht Rebeka, Judit zur Rückkehr zu bewegen - vergeblich. Um ihre Karriere zu retten, erklärt sie die Tochter für tot, inszeniert eine Beerdigung und verschickt Traueranzeigen an hochgestellte Persönlichkeiten im Kultur- und Parteiapparat.
Als die Entlassung nicht rückgängig gemacht wird, zieht sie sich in ihre Wohnung zurück. Fünfzehn Jahre lang setzt sie keinen Fuß mehr vor die Tür und überwacht jeden Schritt ihres Sohnes, der Schriftsteller werden will.
Während draußen ein politisches System zusammenbricht, wird immer offensichtlicher, dass der Sohn dem aus Hass, Erpressung und Obsessionen geflochtenen Netz niemals entkommen wird. Auch nicht, als er nach allerlei unglücklichen Affären Estzer Féher auf der Freiheitsbrücke trifft und sich in sie verliebt. "Die Ruhe" von Attila Bartis ist in deutscher Übersetzung bei Suhrkamp erschienen.


Attila Bartis

1968 in Tîrgu Mureş (Neumarkt, Rumänien) geboren. Seine Heimatstadt hat noch heute einen relativ großen ungarischen Bevölkerungsanteil. 1984 zog er mit seiner Familie nach Budapest um, weil sein Vater, der als Journalist arbeitete, große Probleme mit den rumänischen Behörden bekam.Bartis erlernte nach der Mittelsschule das Photographenhandwerk. War mit einigen Photoausstellungen sehr erfolgreich. Seine künstlerische Arbeit wurde durch ein Stipendium ausgezeichnet. 1995 veröffentlichte Attila Bartis sein erstes Buch mit dem Titel: "A séta". Für sein Romandebüt erhielt er das Zsigmond-Móricz-Stipendium, das an junge ungarische Talente vergeben wird.
Lebt derzeit in Budapest, arbeitet als Photograph und freier Schriftsteller.

Preise:

  • 1997 Tibor - Déry - Preis
  • 2002 Sándor - Márai - Preis


Veröffentlichungen:

  • A Lázár Apokrifek (Lazarus'Apokryphen). Erzählungen, Magvető, Budapest 2005
  • A nyugalom (Die Ruhe). Roman, Magvető, Budapest 2001 (deutsch: Die Ruhe. Roman. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005. Aus dem Ungarischen von Agnes Relle)
  • A kéklő pára (Der bläuliche Dunst). Kurzgeschichten, Magvető, Budapest 1998
  • A séta. Roman. Magvető, Budapest 1995 (deutsch: Der Spaziergang. Roman. Edition Suhrkamp, Frankfurt am Main 1999. Aus dem Ungarischen von Hans Skirecki)